Sonntag, 7. April 2013

Erfahrungsbericht: CBAP Prüfung

Bestanden! Nun bin ich Certified Business Analysis Professional™ (CBAP®).

Diese Prüfung und das Lernen dafür waren mir sehr wichtig, denn in zu vielen Projekten habe ich es erlebt, dass Kosten und Zeiten überschritten wurden und dass die Anwender trotz der vereinten Anstrengungen aller Beteiligten vom Ergebnis enttäuscht waren. Rückblickend ist mir klar geworden, dass die meisten dieser Projekte deutlich erfolgreicher hätten durchgeführt werden können, wenn ein erfahrener Business Analyst das Projektteam ergänzt hätte.


Die richtige Methodik ist entscheidend

In den letzten Jahren scheint sich diese Erkenntnis bei Unternehmen auf der ganzen Welt durchzusetzen. Daher bietet das IIBA seit 2006 das CBAP Zertifikat an, mit dem Business Analysten ihre Kenntnisse dokumentieren können. Da es mir weniger um ein weiteres Zertifikat in meiner Sammlung ging als vielmehr um ein grundlegendes Verständnis aller Einfluss- und Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Business Analyse (und somit letzten Endes für erfolgreichere Business Intelligence Projekte), habe ich mich gegen das relativ leicht zu erwerbende CPRE Zertifikat und für das CBAP Zertifikat der IIBA entschieden.
Die Zahl der CPAPs ist in den letzten Jahren immer schneller gewachsen (Stand 25.11.2013: 3282 weltweit, davon 15 in Deutschland).


Zuwachs und Verteilung der CBAP-zertifizierten Business Analysten


Nach meiner Wahrnehmung nimmt auch in Deutschland das Interesse an dieser wichtigen Qualifikation zu, weil immer mehr Unternehmen den Nutzen dahinter erkennen. Daher möchte ich nachfolgend meinen Weg zu dieser Zertifizierung beschreiben. Vielleicht hilft das ja dem/der einen oder anderen Interessierten. Bei Fragen stehe ich auch gerne als Ansprechpartner zur Verfügung.

Voraussetzungen

Das IIBA betrachtet jeden, der typische Business Analyse (BA) Aufgaben durchführt als Business Analysten, unabhängig von der tatsächlichen Aufgabenbezeichnung. System Analysten, Anforderungsmanager, Business Architekten, BI Analysten und viele andere fallen unter diesen erweiterten BA Begriff. Wesentliches Merkmal all dieser Rollen ist, dass sie ausgerichtet am Nutzen für das Unternehmen Veränderungsprozesse vorbereiten, unterstützen und bewerten.
Das CBAP Zertifikat ist für "Senior" Business Analysten gedacht. Daher ist eine wesentliche Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung, dass man 7.500 Stunden praktischer Arbeit in mehreren der Wissensgebiete (s.u.) nachweist.

Gliederung

Das IIBA hat das gesamte Wissen, welches ein BA bei seiner täglichen Arbeit benötigt, im BABOK®, dem "Business Analysis Body of Knowledge", strukturiert zusammengefasst. Es gliedert sich in sechs Wissensgebiete, die insgesamt 32 so genannte "Tasks" umfassen. Anfangs irritierte es mich, dass es dazu kein Prozessmodell gibt, also eine Schritt-für-Schritt Anleitung zur Business Analyse. Doch dann wurde mir klar, dass die Natur dieser Aufgabe nicht einem schrittweisen Vorgehen entspricht. Vielmehr finden die Tasks oftmals parallel oder schnell aufeinander folgend Anwendung. Beispielsweise beim Review von Anforderungen kann es durchaus vorkommen, dass die Teilnehmer eine neue Anforderung entdecken. Sie modellieren diese neue Anforderung und dann setzt oft eine Diskussion ein, ob die neue Anforderung tatsächlich in den definierten Projektumfang gehört, ob sie kurzfristig umgesetzt werden soll, oder ob sie erst in einer späteren Version der Lösung Eingang findet. Dieses kleine Beispiel umfasst bereits folgende Tasks:
  • Communicate Requirements
  • Specify and Model Requirements
  • Manage Solution Scope and Requirements
Ein starres Prozessmodell würde dieser fast gleichzeitigen Anwendung der Tasks nicht gerecht.
Zudem ist das BABOK® eine Obermenge aller bekannten und allgemein akzeptierten BA Praktiken und betont die Notwendigkeit, bei jedem Projekt zunächst festzulegen, wie die einzelnen Tasks im jeweiligen Fall gestaltet werden (z.B. sehr formal oder eher "hemdsärmlig"). Es ist für alle Arten von Projekten geeignet und lässt sich ebenso für planungsorientierte wie auch für agile Projekte einsetzen.

Die Techniken

Damit ein BA die vielfältigen Aufgaben auch tatsächlich umsetzen kann, benötigt er/sie eine Reihe von Techniken. Etwa um Workshops zielgerichtet und effektiv durchzuführen, um Prozesse zu modellieren und viele mehr. Über 40 Techniken haben Eingang in das BABOK® gefunden. Die meisten davon kannte ich bereits von der eigenen Arbeit, daher war dieser Teil, der fast die Hälfte des Buches ausmacht, relativ gut zu meistern.

Die Vorbereitung auf die Prüfung

Die andere Hälfte des BABOK® empfand ich einerseits als sehr positiv, da die Wissensgebiete und Tasks endlich Ordnung in meine bisher gesammelten Erfahrungen brachten. Andererseits hatte ich zunächst keine Idee, wie ich mir den doch sehr trockenen Stoff so aneignen sollte, dass es zum Bestehen der Prüfung ausreicht.
Da erwies es sich als gute Entscheidung, ein einwöchiges Vorbereitungsseminar der masVenta GmbH zu besuchen. Für mich war es wichtig, dass die masVenta GmbH als "Endorsed Education Provider™" von der IIBA anerkannt ist. Zudem bestätigte mich ein Gespräch mit Geschäftsführer Rainer Wendt in dem Eindruck, dass es bei masVenta Seminaren darum geht, das BABOK wirklich zu verstehen und im Berufsalltag anwenden zu können. Tatsächlich vermittelte der Referent Thomas Rölker uns dann anhand der Unterlagen von Watermark auch die inneren Zusammenhänge und zudem viele Gedächtnisstützen, um die wesentlichen Themen und Bezüge dauerhaft auswendig zu lernen.
Unverzichtbar für die daran anschließende Lernphase war die Prüfungssimulation von Watermark, die zusätzlich zum Study Guide im Seminarumfang enthalten war. Etwa 900 Fragen zu allen Wissensgebieten und Techniken vermittelten einen guten Vorgeschmack auf das, was in der richtigen Prüfung kommen sollte. Anhand der falsch beantworteten Fragen wurde mir immer wieder klar, welche Themen und Zusammenhänge ich noch besser erschließen musste. Dabei erwies es sich als hilfreich, die im Vorbereitungsseminar gelernten Gedächtnisstützen um neue, selbst erarbeitete, zu erweitern um die Lücken zu schließen.
Insgesamt 2 Monate habe ich gebraucht, um auf diese Weise so sicher zu werden, dass ich mir die Prüfung zutraute.

Erfolgreiche Prüfung - was bringt's?

Rückblickend war es eine Menge Arbeit und Zeit, die ich für das Erschließen des BABOK® aufgewendet habe - zusätzlich zum Seminar etwa 6 Wochen intensiven Lernens. Neben einem schicken Zertifikat ;-) ist der wesentliche Nutzen, dass ich nun endlich eine schlüssige Methodik für das Durchführen komplexer Projekte habe. Und dass diese gleiche Methodik den anderen Mitarbeitern im Projekt ebenfalls vertraut ist, so dass wir uns gegenseitig besser unterstützen können.
Mich interessieren insbesondere IT-Projekte, vor allem Business Intelligence Projekte. Dafür ist das BABOK® auf jeden Fall eine große Hilfe. So ist mir im Nachhinein sehr klar geworden, was in einigen Projekten, in denen ich mitgearbeitet habe, schief gelaufen ist. Ich weiß nun auch sehr genau, was ich anders machen würde, da ich Ursachen und Zusammenhänge begriffen habe, die mir vorher nur bruchstückhaft klar waren. Zurzeit arbeite ich in einem Umfeld, wo die Anwendung des BABOK® in IT-Projekten dazu geführt hat, dass die letzten Projekte alle mit dem vorgegebenen Budget und in der geplanten Zeit das gewünschte Ergebnis geliefert haben.
Mit dem neu erworbenen Wissen im Hinterkopf traue ich mir zu, nun auch selbst viel besser zu solchen Erfolgen beitragen zu können als vorher.
Ich werde berichten...

(Artikel überarbeitet am 09.04.2013)