Montag, 4. Februar 2013

Was hat SQL Server mit Business Analyse zu tun?

"Wir wollten eigentlich nur einen kleinen Bericht - und nach Monaten haben wir immer noch kein Ergebnis!"

Wer hat das nicht auch schon erlebt: IT-Projekte, die scheinbar stetig komplexer werden, den Kostenrahmen sprengen, jede neue Terminplanung binnen Kürze ad absurdum führen, und zu guter Letzt sind trotz intensiver Anstrengungen aller Beteiligten die Anwender immer noch nicht zufrieden. Ich habe das leider schon zu oft erlebt. Und die Gründe waren immer die gleichen:
  • die Spezifikation war nicht vollständig
  • die Spezifikation war nicht eindeutig  
  • wichtige Personen waren nicht an dem Projekt beteiligt
  • kurz vor Schluss gab es neue Anforderungen an die Lösung
  • Tests waren unvollständig

Gibt es denn kein System, mit dem sich solche immer wiederkehrenden Fehler verhindern lassen?

Vor vielen Jahren habe ich mich intensiv mit Projektmanagement beschäftigt. Das ist eine Methodik, mit der sich sehr erfolgreich viele Arten von Projekten planen und durchführen lassen. Allein bei IT-Projekten scheint das klassische Projektmanagement regelmäßig zu versagen. Heute weiß ich, dass es ein eigenes Wissensgebiet gibt, das sich mit dem richtigen Erheben, Verifizieren und Dokumentieren der Anforderungen an Unternehmenslösungen auseinandersetzt: Business Analysis.
Falls ein Business Analyst dies lesen sollte: Bitte nicht lachen. Trotz eines Ingenieurstudiums und über 20 Jahren Berufserfahrung hat es mich einige Recherche und Gespräche mit den richtigen Menschen gekostet, um diese Erkenntnis zu erlangen. Für viele IT-Spezialisten ist dies ein unbekanntes Gebiet.

Wie lassen sich die Methoden der Business Analyse in IT-Projekten nutzen?

In IT-Projekten hat der Business Analyst (oder das BA Team) insbesondere die Aufgabe, herauszufinden, welche Lösung das Unternehmen braucht. Danach ermittelt sie oder er, welche Personen zur Umsetzung beitragen können, befragt diese und schreibt die Anforderungen an die Unternehmenslösung auf. Das geschieht in einer Form, die alle Beziehungen der Anforderungen untereinander berücksichtigt und die nachvollziehbar macht, durch welchen Testfall jede einzelne Anforderung abgedeckt wird. Erst auf dieser Basis kann der Projektmanager dann eine realistische Termin- und Ressourcenplanung erstellen.
(Anmerkung: Das Format der Dokumentation war in "meinen" Projekten immer einer der großen Schwachpunkte. Konsequent angewendete BA führt zu Anforderungen, welche alle nachfolgend aufgezählten Anforderungen erfüllen: vollständig, widerspruchsfrei, korrekt, änderbar, eindeutig, umsetzbar, testbar.)

Warum gibt es nicht in jedem IT-Projekt einen Business Analysten?

Ja, warum eigentlich nicht? Mir fallen sofort mehrere Projekte ein, die zu erheblich geringeren Kosten ein besseres Ergebnis geliefert hätten, wenn nur die bekannten Vorgehensweisen der Business Analyse angewendet worden wären. Das International Instititute of Business Analysis (IIBA) hat eine Sammlung von "Best Practices" erstellt, die man erlernen kann. Das IIBA bietet seit 2006 auch Zertifizierungen an, die belegen, dass man diese Best Practices beherrscht. So ein Business Analyst spielt eine unverzichtbare Rolle in jedem Projektteam.

Und jetzt?

Ich habe ein entsprechendes Seminar besucht, das von einem Vertragspartner der IIBA, der masVenta Business GmbH, angeboten wird. Hätte ich das, was ich dort innerhalb einer Woche gelernt habe, doch nur früher gewusst! Aber als unbeirrbarer Optimist möchte ich diesen Beitrag mit einem überzeugten "Besser spät als nie" schließen.

Voraussichtlich wird es zukünftig noch einiges über dieses Thema zu berichten geben.

PowerView für Cubes

Power View ist ein schicker Berichtsgenerator für Endanwender, den Sie verwenden können, wenn Sie SharePoint Enterprise 2010 oder 2013 in Verbindung mit SQL Server 2012 einsetzen.
Mit der aktuellen Version von PowerView gibt es allerdings eine schmerzhafte Einschränkung: Als Datenquelle können ausschließlich tabulare Modelle verwendet werden - also PowerPivot für SharePoint oder SSAS Tabular. Daten aus multidimensionalen Cubes (SSAS Multidimensional) kann Power View nicht darstellen. Das ist eine schmerzhafte Einschränkung, da zum jetzigen Zeitpunkt (und sicher noch viele Jahre) die meisten Unternehmensdaten in Cubes aufbereitet sind.

Aber Abhilfe ist in Sicht:
Inzwischen stellt Microsoft die CTP (common technology preview) eines neuen Produkts für Testzwecke zum kostenlosen Download bereit.
Power View for Multidimensional Models - Preview

Zwar wird ausdrücklich kein Termin für die Veröffentlichung des endgültigen Produkts oder einer SQL Server Release genannt, aber die wichtige Botschaft ist damit offiziell: Wir werden Power View zukünftig auch für Berichte mit Daten aus multidimensionalen Quellen einsetzen können.