Freitag, 31. August 2012

Vergleich der Berichtslösungen im Microsoft BI Stack

SQL Server 2012, SharePoint 2010 und Office 2010 sind Microsofts Standard-Bausteine, mit denen wir unternehmensspezifische Business Intelligence Lösungen erstellen können. Im Lauf der Programmversionen ist diese Welt immer vielfältiger geworden.

Welche Anwendungen sind für welche Anforderungen besonders geeignet?

Die nachfolgende Tabelle zeigt einige wichtige Eigenschaften der Microsoft Berichtslösungen. Jede hat ihre Stärken und ihre Grenzen. Welche stehen für Ihre Endanwender im Vordergrund? Oft gibt es ja auch unterschiedliche Gruppen von Anwendern, die unterschiedliche Anforderungen stellen.


SSRS
Power View
Excel
Excel Services
Performance-Point Services
Klassischer Berichtsserver
X
Freie Gestaltungs-möglichkeit
X
(X)
Hochwertige Ausdrucke
X
X
X
(X)
Abonnements
X
Datenabhängige Alarme
X
Erkundung des Datenmodells
X
X
(X)
Gestaltungs-möglichkeiten für Endanwender
X
X
(X)
Zusammenstellen von Dashboards
X
Zugang mit Web Browser
X
X
X
X
Mobile Endgeräte
X
(X)
(X)
SharePoint Enterprise Lizenzen
X
X
X
SQL Server Enterprise oder
BI Edition
X
Exportformate
viele
Power
Point
viele
Excel
Excel


War das schon alles?

Gib es weitere Entscheidungskriterien, die Sie hier vermissen? Lassen Sie es mich wissen und ich nehme diese gerne in die Liste auf!

SharePoint 2010 und SQL Server 2012

Der Treiber macht's...

Heute möchte ich über ein Problem berichten, das auftritt, wenn man mit Power View oder PerformancePoint Services auf tabulare Modelle (PowerPivot auf SharePoint oder SSAS Tabular) zugreifen möchte.

Die Theorie

Tabulare Modelle lassen sich von außen mit MDX abfragen. Daher können "alte" MDX-Clients (z.B. Excel) problemlos auf Modelle zugreifen, die
  • mit PowerPivot erstellt und in einer SharePoint Bibliothek veröffentlicht wurden
  • oder mit den Data Tools in einem Projekt vom Typ "Analysis Services Projekt für tabellarische Modelle" erstellt und dann auf einer tabularen SSAS Instanz bereitgestellt wurden.
Besonders interessante Clients sind für mich zurzeit die SharePoint Komponenten Power View und PerformancePoint Services.

Die Praxis

Tatsächlich gibt es aber ein Problem, das mich heute viel Zeit gekostet hat. Es zeigt sich anhand unspezifischer Fehlermeldungen in diesen Situationen:
  • Beim Einrichten einer Datenverbindung in SharePoint vom Typ "BI Semantic Model Connection" (Fehlermeldung: "Cannot connect to the server or database")
  • In PerformancePoint Services beim Erstellen einer Datenverbindung (Fehlermeldung: "PerformancePoint Services was unable to connect to <Instanz>. Verify that the server name is correct and that the Unattended Service Account has permission to connect to the server.")
Mehrfaches Überprüfen der Verbindungsinformationen brachte mich nicht ein Stück weiter - diese waren offensichtlich korrekt.

Die Lösung

Nach einer Standardinstallation von SharePoint 2010 gibt es ein Kompatibilitätsproblem: Für den Zugriff auf eine SQL Server Analysis Services 2012 Instanz im tabularen Modus benötigt der SharePoint Frontend Server den ADOMD Treiber aus dem Feature Pack von SQL Server 2008 R2 SP1. Darauf muss man erst einmal kommen!
Sie können auf Ihren SharePoint Servern unter "Programs and Features" kontrollieren, welche Version des ADOMD Treibers installiert ist. Nach der SharePoint Installation hat der Treiber die Version 10.0x. Benötigt wird aber die Version 10.5x.

Liste der ADOMD Treiber auf einem SharePoint Frontend Server
Den richtigen ADOMD Treiber können Sie hier herunterladen:
http://www.microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=26728
Je nachdem, ob Sie SharePoint auf einer 32-Bit Plattform oder auf einer 64-Bit Plattform installiert haben, brauchen Sie die passende Variante
64-Bit: 1033\x64\SQLSERVER2008_ASADOMD10.msi
32-Bit: 1033\x86\SQLSERVER2008_ASADOMD10.msi

Bei der Installation gibt es eine Warnung (die ältere Version des Treibers wird überschrieben - das ist in Ordnung) und möglicherweise den Hinweis, dass eine Datei nicht ausgetauscht werden kann, weil sie in Benutzung ist. In diesem Fall stoppen Sie den Internet Information Server. Das geht am einfachsten mit dem Programm "Internet Information Services (IIS) Manager".
Nach Stoppen (falls nicht schon erfolgt) und Starten des IIS Dienstes ist das Problem beseitigt.
Das Stoppen und Starten des IIS Dienstes geht alternativ auch über den Kommandozeilenbefehl "iisreset /STOP" beziehungsweise "iisreset /START".

Anmerkung

Natürlich liegt es nahe, bei einem solchen Problem mal wieder über Microsoft zu schimpfen und sich zu fragen, warum "die" das denn nicht besser hinbekommen. Geht Ihnen das auch so? Dann empfehle ich die Lektüre dieses Artikels von Kevin Donovan. Danach wurde mir klar, welche Kompatibilitätsprobleme SharePoint zu bewältigen hat, schließlich soll SharePoint 2010 ja gleichermaßen mit PowerPivot 2008 R2 und mit PowerPivot 2012 funktionieren.
Mein Fazit war danach: Das ist sehr nachvollziehbar und die Microsoft Entwickler haben einen guten Job gemacht!

Donnerstag, 23. August 2012

Erste Bücher zu SSAS Tabular und Power View

Fast ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem SQL Server 2012 auf dem Markt ist. Endlich gibt es nun auch die ersten Bücher zu den neuen BI-Komponenten SSAS Tabular und Power View. Drei davon möchte ich hier kurz vorstellen:

Visualizing Data with Microsoft Power View

Dieses Buch der vier Autoren Brian Larson, Mark Davis, Dan English und Paul Purington vermittelt auf etwa 100 Seiten, wie Sie Power View einsetzen, um mit einer minimalen Anzahl von Mausklicks anschauliche Präsentationen Ihrer Daten zu erzeugen. Die geringe Seitenzahl wird dem einfachen Bedienkonzept von Power View durchaus gerecht. Das Buch veranschaulicht die Möglichkeiten anhand eines Beispielmodells, das auf der beigefügten CD mitgeliefert wird. Da wahrscheinlich nicht jeder Leser über die erforderliche SharePoint Umgebung verfügt, ist es hilfreich, dass die ebenfalls auf der CD enthaltenen Videos den Umgang mit Power View vermitteln.
Der zweite Teil des Buches führt den Leser in die Erstellung tabularer Modelle mit PowerPivot ein. Dass die Autoren hierfür ebenfalls nur etwa 150 Seiten vorgesehen haben, erleichtert zwar den schnellen Einstieg in das Thema, kann aber aufgrund der Leistungsfähigkeit von PowerPivot auch nicht mehr leisten. Hierzu gibt es ebenfalls Videos, welche die Handhabung anschaulich vermitteln.
Passend zum Titel liegt der Schwerpunkt auf dem Einsatz von Excel, SharePoint und Power View; der Einsatz der Data Tools (Visual Studio) für die Entwicklung tabularer Datenmodelle wird nicht beschrieben.
Diejenigen Leser, die sich mit kostenlosen Testversionen der Microsoft Programme ihre eigene SharePoint Umgebung mit Power View einrichten möchten, finden hierfür eine Anleitung im Buch. Der Installationsaufwand ist zwar hoch, lohnt sich aber auf jeden Fall, wenn man tiefer in das Thema einsteigen und eigene Erfahrungen sammeln möchte.

Fazit: Ein kompaktes Buch für den schnellen Einstieg.


Applied Analysis Services - Tabular Modeling

Der Autor Theo Lachev beginnt sein Buch mit Erläuterungen zu Microsofts Zielen bei der Entwicklung von Self-Service BI Komponenten und einem Vergleich der multidimensionalen Analysis Services mit den neuen tabularen Datenmodellen. Dabei, sowie in den folgenden, tiefer gehenden Kapiteln, beleuchtet er alle drei Möglichkeiten zur Erstellung und Veröffentlichung tabularer Modelle: Personal BI (Excel), Team BI (SharePoint) und Organizational BI (Analysis Services Tabular). Das Buch vermittelt nicht nur die Handhabung, sondern sehr umfassend auch die technischen Hintergründe, die Administration und "best practices".
Wie auch der Umfang von fast 400 Seiten nahelegt, erhält der Leser zu wirklich allen Aspekten rund um das Erstellen und Visualisieren tabularer Modelle tiefe Einblicke. Auf der Website des Autors stehen Codebeispiele und Videos zum Download bereit.

Fazit: Ein gut gegliedertes Buch für den Einstieg und für die Vertiefung mit zahlreichen wertvollen Praxistipps.


SQL Server 2012 Analysis Services - The BISM Tabular Model

Die Autoren Chris Webb, Alberto Ferrari und Marco Russo haben sich spätestens mit ihrem Buch "Expert Cube Development" einen Ruf als Autoritäten auf dem Gebiet der Modellierung multidimensionaler Cubes geschaffen. Mit dem neuen Buch zu SSAS Tabular erweisen sie sich nun auch als führende Experten für die Modellierung komplexer tabularer Datenmodelle. Dementsprechend verwenden alle Beispiele vorwiegend die Data Tools (Visual Studio) als Entwicklungsumgebung. Für das Nachvollziehen der Beispiele ist eine Evaluierungs-Edition (180 Tage, kostenlos) oder die Developer-Edition (ca. 65 EUR) von SQL Server 2012 erforderlich. Ähnlich dem Buch von Theo Lachev vermittelt dieses Buch nicht nur die Handhabung, sondern erläutert die Technik und die Administration von Entwicklungs- und Produktionsservern.
Mit etwa 600 Seiten ist dieses Buch das umfangreichste der drei Neuerscheinungen.

Fazit: Gut gegliedert, umfassend und gut verständlich mit einem Schwerpunkt auf Modellierung und DAX Programmierung.


Welches der drei Bücher sollte man sich zulegen, wenn man sich mit den neuen BI-Möglichkeiten von SQL Server 2012 vertraut machen möchte?
Das erste Buch besticht durch seinen geringen Seitenumfang und die zahlreichen Videos. Es ermöglicht einen schnellen Überblick, insbesondere über die Erstellung von Berichten mit Power View.
Das zweite und das dritte Buch sind wesentlich umfangreicher und begleiten den Leser voraussichtlich bei seiner gesamten Arbeit mit SSAS Tabular, DAX & Co. Zum jetzigen Zeitpunkt fällt es mir schwer, eine Empfehlung für das eine oder das andere abzugeben. Ich habe es mir leicht gemacht und einfach beide gekauft :-)